Druckfeder - Berechnung und Konstruktion
Die
Berechnung und Konstruktion zylindrischer Schraubenfedern aus
runden Drähten und Stäben erfolgt nach der europäischen Norm EN
13906 Teil 1 bis Teil 3. Diese basiert auf der Norm DIN 2089
und hat den Status einer deutschen Norm.
Nach eigener
Aussage erarbeitet das DIN Deutsches Institut für Normung
e. V. unter Mitwirkung interessierter Kreise
und zum Nutzen der Allgemeinheit Deutsche
Normen und es vertritt die deutschen Interessen bei der
Erarbeitung Europäischer und Internationaler
Normen.
DIN ist im Internet
vertreten unter http://www.din.de
Wer
ernsthaft eine Schraubendruckfeder berechnen und konstruieren
will, der sollte unbedingt die Norm beachten. Angaben,
Berechnungen und Berechnungsprogamme dieser Internetseite sind
lediglich zum besseren Verständniss der Thematik zur Verfügung
gestellt.
Die
Schraubendruckfeder ist in vielen Bereichen nicht zu
ersetzen Die im Alltag wohl
am häufigsten genutzte Schraubendruckfeder ist im
Kugelschreiber zu finden.
Schraubendruckfeder eines Kugelschreibers
Eher versteckt für
den Laien ist die Ventilfeder im Kfz-Motor. Dagegen nicht
mehr ganz so üblich ist die Feder im Sofa oder im
Bettgestell.
Berechnung
und Konstruktion
Angaben,
Berechnungen und Berechnungsprogamme dieser Internetseite sind
zum besseren Verständniss der Thematik zur Verfügung gestellt.
Für die
Berechnung und Konstruktion von Schraubendruckfedern ist die
Norm EN 13906-1 zu beachten
Die
Druckfeder ist eine Feder, die einem axialen Druck
entgegenwirkt (siehe EN ISO
2162-3:1996). Die hier beschriebe Schraubendruckfeder entspricht
dieser Definition. In Anlehnung daran wird im weiteren Text die
Benennung Druckfeder
gewählt.
Bevor mit
der Berechnung und Konstruktion der Druckfeder begonnen wird,
sollten die Anforderungen klar beschrieben
sein.
- Welche Abmessungen soll die Feder
haben?
- Welcher Federweg ist
gefordert?
- Welche Federkraft in Abhängigkeit von dem Federweg
wird gebraucht?
- Wird die Feder statisch oder dynamisch
beansprucht?
Es genügt,
für den ersten Entwurf einer Druckfeder diese Anforderungen zu
berücksichtigen. Die Anwendung weiterer Anforderungen kann
später überprüft werden.
Weitere
Anforderungen wären die Art der Beanspruchung, z.B. Knickung
und Stoß. Aber auch Einflüsse wie Temperatur, Korrosion und
Resonanzschwingungen sind evtl. zu berücksichtigen sowie ggf.
zeitlicher Verlauf der Beanspruchung .
Erst wenn
der Federweg, die Federkraft und die Abmessungen der Feder die
gewünschte Federwirkung ergeben, sollte die Notwendigkeit
weiterer Anforderungen Schritt für Schritt betrachtet und ggf.
berücksichtigt werden.
Die
Federkraft und der Federweg sind die kennzeichnenden Größen für
die Funktion der Feder. Sie werden in einem Federdiagramm
dargestellt.
Federdiagramm

F ist die
erforderliche Kraft, um die Druckfeder zu
verformen.
Der Weg, um
den sich der Kraftangriffspunkt verschiebt wird mit s
bezeichnet.
Der Bereich
von s0 bis s1 wird als
Vorspannung genutzt. Bei sn ist
der maximale Federweg erreicht.
Der
Arbeitsbereich liegt zwischen s1 und
s2 .
Die Kräfte
zwischen F1 und F2 werden für
den Betrieb der Feder genutzt.
Die Werte
aus Kraft und Federweg bilden die
Federkennlinie.
Ein steiler
Anstieg der Federkennlinie kennzeichnet eine harte Feder. Die
harte Feder hat einen schnellen Kraftanstieg für einen kurzen
Federweg. Ein langer Federweg für einen kurzen Kraftanstieg
kennzeichnet die weiche Feder.
Wer so ganz
ohne Vorgaben eine Feder berechnen und konstruieren will, der
wird üblicherweise schon Schwierigkeiten haben, den
Drahtdurchmesser und den Windungsdurchmesser der Feder
auszuwählen. Es sollten dann bestehende Lösungen genutzt
werden. Anhand einer bekannten Feder können Näherungswerte für
die erste Rechnung ausgewählt werden.
Alternativ
sind Berechnungsprogramme sicherlich der einfachste Weg, um
Federn zu berechnen. Es müssen in der Regel nur die Grunddaten
eingegeben werden, und die Lösung wird mehr oder weniger auf
Knopfdruck geliefert.
Allerdings
sollte die Auswahl der Grunddaten gezielt geschehen und
begründet sein. Ohne dass grundsätzliche Kenntnisse der
Federberechnung vorhanden sind, können ansonsten leicht
Konstruktionsfehler entstehen.
In jedem
Fall ist es erforderlich, sich an die gewünschte Auslegung der
Feder heranzutasten. Es wird notwendig sein, Berechnungen mit
geänderten Parametern mehrmals durchzuführen, bis die Daten der
gewünschten Feder das Ergebnis sind.
Für
den ersten Entwurf einer Feder sind folgende Schritte
erforderlich:
1. Auswahl des Materials
2. Vorgabe der
Charakteristik
3. Berechnung der
Federrate
4. Berechnung der
Federgeometrie
5. Berechnung der Spannungen und Überprüfung der
Festigkeit
Der erste
Entwurf der Feder ist erst dann abgeschlossen, wenn
die Federrate den Funktionsanforderungen genügt,
die Federgeometrie stimmt und
die Feder den Festigkeitsanforderungen gerecht
wird.
In einem
zweiten Schritt wird dann geprüft, ob besondere Beanspruchungen
und Einflüsse zu berücksichtigen sind. Bei Anwendung der Norm
EN 13906-1 sind dann eventuell ergänzende Berechnungen
erforderlich. Unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen
Berechnungen sind die Schritte eins bis fünf gegebenenfalls
noch einmal durchzuführen.
1. Auswahl des
Materials
Der am
häufigsten verwendete Werkstoff für Federn ist Stahl. Je nach
chemischer Zusammensetzung und Wärmebehandlung bietet Stahl
eine Vielfalt an wichtigen Eigenschaften. Für dieses Beispiel
wurde ein nicht rostender Stahl ausgewählt. Die Daten sind aus
dem Werkstoffleistungsblatt:
Werkstoff:
1.4324.8
Schubmodul
G = 72000 N/mm²
Bruchfestigkeit σb = 1670 N/mm²
und τ =
0,5 × σb
2. Vorgabe
der Charakteristik
Es wird
eine bestehende Feder nachgerechnet.
mittlerer
Windungsdurchmesser :
Dm
= (Außendurchmesser der Feder +
Innendurchmesser der Feder) / 2
Dm =
16mm
Nenndurchmesser des Drahtes
d = 2mm
Anzahl der
federnden Windungen n = 16
Länge der
unbelasteten Feder l 0 =
60mm
Wickelverhältnis: w =
Dm / d -> w =
8mm
Herstellungsart kalt geformt, Federenden
geschliffen
Für die
Berechnung entsprechend der EN 13906-1 sind Einschränkungen der
Kennwerte zu beachten. Für dieses Beispiel, einer kalt
geformten Druckfeder mit einer Seriengröße kleiner 5000 Stück
soll beachtet werden:
mittlerer
Windungsdurchmesser Dm <
200mm
Nenndurchmesser des Drahtes d <
17mm Länge der
unbelasteten Feder l0 <
630mm Anzahl der federndeb
Windungen n > 2 Wickelverhältnis w
> 4 und < 20
3. Berechnung der
Federrate
Bei der Berechnung
der Federrate R fällt auf, dass der Drahtdurchmesser d
und der mittlere Windungsdurchmessers Dm aufgrund der hohen Potenz-Zahl
den größten Einfluss
haben.
4.
Berechnung der Federgeometrie
Für die
kalt geformte Feder werden 2 nicht federnde Endwindungen
benötigt. Für die Gesamtzahl der Windungen gilt dann
nt = n +2
Die
Blocklänge errechnet sich aus dem Drahtdurchmesser
multipliziert mit der Gesamtzahl der Windungen. Wird die Norm
EN 13906-1 berücksichtigt, dann muss die Gesamtzahl der
Windungen nt um den Faktor 0,3 reduziert
werden. Für die Blocklänge gilt
damit
lc < nt ×
dmax
Für die
kleinste zulässige Blocklänge ist die Summe der lichten
Mindestabstände zwischen den einzelnen federnden Endwindungen
noch zu addieren. In diesem Beispiel wird eine nicht dynamische
Beanspruchung der Feder angenommen. Bei kaltgeformten und
dynamisch beanspruchten Federn muss der sa -Wert das
1,5fache
betragen.
sa = n ×(0,0015 ×
D2 / d + 0,1 × d )
ln =
lc + sa
Der maximal
zulässige Federweg ist sn . Es kann
sn nicht größer
werden als
die ungespannte Länge der Feder l0 abzüglich
der kleinsten Federlänge ln Je nach Konstruktion der
Feder kann sn jedoch kleiner sein. Der
Windungsabstand der ungespannten Feder wird dann entsprechend
kleiner ausgelegt, d.h. der Arbeitsbereich der Feder wird
kleiner.
5.
Berechnung der Spannungen
Wenn die Berechnung
der Feder abgeschlossen ist, dann wird die Festigkeit
überprüft. Die Feder muss bei beliebig langer Belastung
die auftretenden Spannungen ohne schädigende Formänderung
ertragen. Aus fertigungstechnischen Gründen müssen alle
Druckfedern so dimensioniert sein, dass es möglich ist,
sie ohne bleibende Formänderung auf Blocklänge
zusammenzudrücken.
Die
theoretische Torsionsspannung wird mit zunehmender
Formänderung größer.
Sie
errechnet sich aus dem Spannungsfaktor τf
= τ / s
.
τ / s
multipliziert mit der
jeweiligen Formänderung s ergibt dann die zu berücksichtigende Spannung
τ
.
| τf = |
G
×
d
3,14
×
D
m
2 ×
n
|
Anmerkung:
Diese
Berechnungsformel für
τf
gilt nur für
statisch beanspruchte
Federn.
Die
größte mögliche Spannung
ist
τmax =
τf × sc ×
k
Der
Spannungsfaktor τf
wird
mit dem Weg sc
multipliziert. sc
ist der Weg für die Formänderung auf
Blocklänge. Zusätzlich muss bei der Berechnung der
Torsionsspannung noch der
Spannungskorrekturfaktor k berücksichtigt
werden.
Die Schubspannungsverteilung im
Draht einer Feder ist nicht
gleichmäßig.
In Abhängigkeit vom
Wickelverhältnis w = D / d verändert sich die
maximale Spannung, die am federinneren
Querschnittsrand auftritt. Je kleiner das
Wickelverhältnis ist, desto größer und damit
ungünstiger wird der
Spannungskorrekturfaktor k sein.
Folgende Näherungsgleichung soll entspechend der
Norm in diesem Beispiel angewandt
werden:
6. Überprüfung der
Festigkeit
Die
Festigkeit der Feder ist für den ersten Entwurf
ausreichend dimensioniert, wenn
τmax
kleiner ist, als die
maximal zulässige Spannung τzul
τmax
=
τf × sc ×
k
<
τzul
= 0,5 ×
σzul
Um die zulässige
Spannung σzul zu bekommen,
wird die Bruchspannung σb mit einem Sicherheitsfaktor z.B.
1.5 multipliziert.
σzul
= σb × 1,5
|