Zugfeder - Berechnung und
Konstruktion
Angaben, Berechnungen und Berechnungsprogamme
dieser Internetseite sind nur zum besseren Verständniss
der Thematik zur Verfügung gestellt. Für die Berechnung
und Konstruktion von Schraubendruckfedern, ist die Norm
EN 13906-2 zu
beachten
Die
Zugfeder ist eine Feder, die einer axialen Zugkraft
entgegenwirkt (siehe EN ISO
2162-3:1996). Die hier beschriebe Schraubenzugfeder entspricht dieser
Definition. In Anlehnung daran wird im weiteren Text die
Benennung Zugfeder
gewählt.
Bevor mit
der Berechnung und Konstruktion der Zugfeder begonnen werden
kann, sollten die Anforderungen klar beschrieben
sein.
- Welche Abmessungen soll die Feder
haben?
- Welcher Federweg ist
gefordert?
- Welche Federkraft in Abhängigkeit von dem Federweg
wird gebraucht?
- Wird die Feder
statisch oder dynamisch
beansprucht?
Die
Federkraft und der Federweg sind die kennzeichnenden Größen für
die Funktion der Feder. Sie werden in einem Federdiagramm
dargestellt.
Federdiagramm

F ist die
erforderliche Kraft, um die Zugfeder zu verformen.
F0 ist die innere
Vorspannkraft
Der Weg, um
den sich der Kraftangriffspunkt verschiebt wird mit s
bezeichnet.
Der Bereich
von s0 bis s1 kann als
Vorspannung genutzt
werden.
Mit sn ist
der maximale Federweg gegeben.
Der
Arbeitsbereich liegt geht bis s2 . Der Hub der
Federweg ist dann sh .
Die
sn zugeordneten Kräfte sind
F1 und
F2 .
Die Werte
aus Kraft und Federweg bilden die
Federkennlinie.
Ein steiler
Anstieg der Federkennlinie kennzeichnet eine harte Feder. Die
harte Feder hat einen schnellen Kraftanstieg für einen kurzen
Federweg. Ein langer Federweg für einen kurzen Kraftanstieg
kennzeichnet die weiche Feder.
Wer so ganz
ohne Vorgaben eine Feder berechnen und konstruieren will, der
wird üblicherweise schon Schwierigkeiten haben, den
Drahtdurchmesser und den Windungsdurchmesser der Feder
auszuwählen. Es sollten dann bestehende Lösungen genutzt
werden. Anhand einer bekannten Feder können Näherungswerte für
die erste Rechnung ausgewählt werden.
Alternativ
sind Berechnungsprogramme sicherlich der einfachste Weg, um
Federn zu berechnen. Es müssen in der Regel nur die Grunddaten
eingegeben werden, und die Lösung wird mehr oder weniger auf
Knopfdruck geliefert.
Allerdings
sollte die Auswahl der Grunddaten gezielt geschehen und
begründet sein. Ohne dass grundsätzliche Kenntnisse der
Federberechnung vorhanden sind, können ansonsten leicht
Konstruktionsfehler entstehen.
In jedem
Fall ist es erforderlich, sich an die gewünschte Auslegung der
Feder heranzutasten. Es wird notwendig sein, Berechnungen mit
geänderten Parametern mehrmals durchzuführen, bis die Daten der
gewünschten Feder das Ergebnis sind.
Für den
Entwurf einer Feder sind folgende Schritte
erforderlich:
1. Auswahl
des Materials
2. Vorgabe
der Charakteristik
3.
Berechnung der Federrate
4.
Berechnung der Federgeometrie
5.
Berechnung der Spannungen und Überprüfung der
Festigkeit
Der Entwurf
der Feder ist abgeschlossen, wenn die Federrate den
Funktionsanforderungen genügt, die Federgeometrie stimmt und
die Feder den Festigkeitsanforderungen gerecht
wird.
Gegebenenfalls ist in einem weiteren Schritt zu prüfen,
ob weitere besondere Beanspruchungen und Einflüsse zu
berücksichtigen sind.
Auswahl des
Materials
Der am
häufigsten verwendete Werkstoff für Federn ist Stahl. Je nach
chemischer Zusammensetzung und Wärmebehandlung bietet Stahl
eine Vielfalt an wichtigen Eigenschaften. Für dieses Beispiel
wurde ein nicht rostender Stahl ausgewählt. Die Daten sind aus
dem Werkstoffleistungsblatt:
Werkstoff:
1.1200.9 C.8
Schubmodul
G = 83000 N/mm²
Bruchfestigkeit σb = 1890 N/mm²
Vorgabe der
Charakteristik
Es wird
eine bestehende Feder nachgerechnet.
mittlerer
Windungsdurchmesser :
Dm
= (Außendurchmesser der Feder +
Innendurchmesser der Feder) / 2
Dm =
15mm
Nenndurchmesser des Drahtes:
d = 2,8 mm
Anzahl der
federnden Windungen: n = 14
Länge der
unbelasteten Feder: l 0 = 60
mm
Wickelverhältnis:
w =
Dm / d
-> w = 5,36
mm
innere
Vorspannkraft F0 = 100 N
Herstellungsart: kalt
geformt
Für die
Berechnung entsprechend der EN 13906-2 sind Einschränkungen der
Kennwerte zu beachten. Für dieses Beispiel, einer kalt
geformten Zugfeder gilt:
mittlerer
Windungsdurchmesser Dm <
160mm
Nenndurchmesser des Drahtes d <
17mm Länge der
unbelasteten Feder l0 <
630mm Anzahl der federndeb
Windungen n > 3 Wickelverhältnis w
> 4 und < 20
Berechnung der
Federrate
Bei der Berechnung
der Federrate R fällt auf, dass der Drahtdurchmesser d
und der mittlere Windungsdurchmessers Dm aufgrund der hohen Potenz-Zahl
den größten Einfluss
haben.
| R = |
F
s
|
= |
G
×
d4
8
×
Dm
3 ×
n
|
ohne
Vorspannkraft
F0
|
Zur
Berücksichtigung der inneren Vorspannkraft ist statt F,
der Wert F -F0 zu
wählen.
| R = |
F - F0
s
|
= |
G
×
d4
8
×
Dm
3 ×
n
|
Anmerkung:
ohne Vorspannkraft
F0
|
Berechnung
der Federgeometrie
Je nach
Ösenform ist die Anzahl der Windungen in der Nachkommastelle
ggf. zu erweitern. In diesem Beispiel wird davon ausgegangen,
dass diese Erweiterung nicht erforderlich ist. Bei Verwendung
eines Gewindestopfen wird die Anzahl der federnden Windungen um
die Länge des eingedrehten Gewindeteils
verringert.
Beim
Wickeln von kaltgeformten Zugfeder wird eine innere
Vorspannkraft dadurch erreicht, indem die Windungen während der
Fertigung eng aneinandergepresst werden.
Die Länge
Lk ist die Körperlänge des unbelasteten
Federkörpers, der mit innerer Vorspannkraft gewickelt wurde.
Zur Berechnung der Körperlänge wird
die Anzahl der Windungen nt für
Zugfedern mit innerer Vorspannkraft um den Faktor 1
erhöht.
Lk
= (
nt + 1 ) × d
Berechnung
der Spannungen
Wenn die
Berechnung der Feder abgeschlossen ist, dann wird die
Festigkeit überprüft. Dabei ist die innere
Schubspannung τ0
zu beachten. Diese wird bei kaltgeformten Federn
durch die innere Vorspannkraft F0 verursacht.
Entsprechend der Norm berechnet sich die erreichbere
innere Schubspannung aus
| τ0
= ( 0,135
- |
0,00625 - D
d
|
)
|
Die
erreichteinnere
Schubspannung
τ0 soll
geringer sein als die erreichbare. Sie errechnet sich
näherungsweise aus
Für die Spannungsermittlung gilt die
Gleichung
|
τf
|
= |
G
×
d
3,14
×
Dm
2 ×
n
|
Die Schubspannungsverteilung im
Draht einer Feder ist nicht
gleichmäßig.
In Abhängigkeit vom
Wickelverhältnis w = D / d verändert sich die
maximale Spannung, die am federinneren
Querschnittsrand auftritt. Je kleiner das
Wickelverhältnis ist, desto größer und damit
ungünstiger wird der
Spannungskorrekturfaktor k sein.
Folgende Näherungsgleichung entspechend
der Norm wird in diesem Beispiel angewandt.
Überprüfung der
Festigkeit
Die
Festigkeit der Feder ist für den ersten Entwurf
ausreichend dimensioniert, wenn
τmax
kleiner ist, als die
maximal zulässige Spannung τzul
τmax
=
τf × sn ×
k
<
τzul
= 0,45 ×
σzul
Um die zulässige
Spannung σzul zu bekommen,
wird die Bruchspannung σb mit einem Sicherheitsfaktor z.B.
1.5 multipliziert.
σzul
= σb × 1,5
|